Wie lasse ich WordPress-Texte von ChatGPT in meinem eigenen Stil umschreiben? Schritt für Schritt

Du willst deine WordPress-Texte umschreiben, und dafür greift man heute gern zu KI, weil es schneller und bequemer geht. Es gibt nur ein Riesenproblem: ChatGPT, Claude und Co. liefern Texte, die grammatikalisch sauber sind, logisch aufgebaut und trotzdem klingen, als hätte sie niemand geschrieben. Nach zwei Absätzen merkst du: Das bin nicht ich. Das ist nicht mal irgendein Mensch. Das ist ein Text, der nach nichts klingt, weil er gesichtslos ist.

Was machst du? Du tippst: „Schreib menschlicher.“ Als Ergebnis bekommst du einen Text, der jetzt zusätzlich „Mal ehrlich“ sagt und rhetorische Fragen stellt. Menschlicher geworden ist er nicht, nur verkleidet. Diese List merkt jeder Leser.

Warum „Schreib menschlicher“ nicht funktioniert

ChatGPT ist ein Sprachmodell. Das ist ein Programm, das aus riesigen Textmengen gelernt hat, welches Wort mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das nächste folgt. Wahrscheinlich heißt: üblich. Und üblich heißt: glatt, durchschnittlich, austauschbar. Das ist keine Macke, die man mit dem nächsten Update repariert, sondern das Funktionsprinzip.

Technische Darstellung: Ein Sprachmodell lernt aus Millionen Texten, wählt jeweils das üblichste nächste Wort und erzeugt dadurch einen glatten Durchschnittstext.

„Menschlich“ ist außerdem keine Stilrichtung. Ein Handwerker schreibt anders als eine Anwältin, und beide sind Menschen. Wenn du „menschlicher“ verlangst, muss ChatGPT raten, welchen Menschen du meinst. Es rät den häufigsten: lockerer Plauderton mit ein paar Floskeln obendrauf.

Die üblichen Prompt-Tricks laufen in dieselbe Sackgasse. ChatGPT eine Rolle zuweisen, kürzere Sätze verlangen, den Stil eines berühmten Autors nachahmen lassen: Alles beschreibt entweder einen Durchschnitt oder jemand anderen. Und selbst wenn du deinen eigenen Stil beschreiben wolltest, wüsstest du aus dem Stand, wie lang deine Sätze im Schnitt sind? Welche Wörter du ständig benutzt? Wie du deine Leser ansprichst? Die meisten wissen das über ihre eigenen Texte nicht. Den eigenen Stil bemerkt man nicht, man hat ihn einfach.

Fakt ist: ChatGPT kann nicht menschlich schreiben, weil ChatGPT kein Mensch ist. Das muss es auch nicht. Es muss lernen, wie du schreibst. Und das Material dafür liegt längst bei dir: in den Beiträgen auf deiner WordPress-Website.

Das Problem ist nur: ChatGPT muss an deine Beiträge rankommen. Dafür gibt es drei übliche Wege, und keiner davon ist richtig.

Erster Weg: Du lässt ChatGPT deine Website wie ein Besucher lesen. Nicht schlecht, aber nie vollständig, und oft scheitert es an Zugriffslimits. Greift ChatGPT zu viele Seiten auf einmal ab, blockiert dein Webhosting.

Zweiter Weg: Du kopierst einen Beitrag nach dem anderen ins Chat-Fenster und lässt deinen Stil beschreiben. Geht auch, dauert aber ewig. Neue Beiträge müssen irgendwann zusätzlich rein, und hast du den Chat geschlossen, fängst du wieder von vorn an.

Dritter Weg: Du erstellst eine Datei, die deinen Schreibstil festhält, und hängst sie in dein KI-Projekt. Geht auch, bis zu den ersten Änderungen. Dann öffnest du die Datei, korrigierst sie, entfernst die alte und lädst die neue hoch. Deine Zeit steckt nicht mehr in Inhalten, sondern in der Pflege der Dateien, die deinen Stil beschreiben.

Wie wäre es, wenn die KI dauerhaft direkten Zugriff auf alle deine Inhalte und Änderungen hätte, ganz ohne Aktualisierungen? Die Technik nennt sich MCP.

Über MCP liest die KI alle Beiträge, Seiten und Angebote der WordPress-Website und lernt daraus laufend Stil und Inhalte, auch bei neuen Beiträgen ohne Dateipflege.

Und ganz nebenbei, aber nicht unwichtig: Auf diese Weise lernt die KI nicht nur deinen Stil, sondern auch, worum es bei dir geht. Dein Business zum Beispiel, was du machst, was du anbietest. Du sparst dir also nicht nur die Stilbeschreibung, sondern auch die ausführliche Projektbeschreibung.

Wie du WordPress mit ChatGPT oder Claude verbindest und worauf du dabei achten musst, steht im KI-Playbook für WordPress.

Sobald die Verbindung steht, lässt du deine WordPress-Texte so umschreiben, dass sie nach dir klingen: Stil analysieren, einen vorhandenen Text überarbeiten, bei Bedarf einen neuen schreiben lassen und das Ergebnis prüfen. Dafür nutzt du drei Prompts weiter unten. Wichtig: Einen Weg, KI-Erkennungstools auszutricksen, findest du hier nicht. Es geht gar nicht darum, KI-Text zu verstecken, sondern darum, dass ein Text nach dir klingt.

Schritt 1: Suche Beiträge aus, die wirklich von dir sind

Statt ChatGPT zu sagen, wie ein Mensch schreibt, zeigst du ihm, wie du schreibst. Dafür braucht es Beispiele, und zwar echte. Such dir deshalb auf deiner WordPress-Website ein paar Beiträge aus, die du selbst geschrieben hast. Stammen sie von ChatGPT, lernt es seinen eigenen Stil kennen, und den hast du ja gerade satt. Hast du weniger als fünf eigene Beiträge, nimm so viele, wie du hast.

Alle Beiträge musst du nicht lesen lassen. Für ein brauchbares Stilprofil reichen in der Regel fünf bis zehn typische, und mehr Beiträge machen vor allem die Auswertung langsamer. Welche das sind, weißt du am besten. Damit du nicht im Backend suchen musst, lass dir von ChatGPT zuerst eine Liste zeigen. Hier gibt es nichts zu ersetzen, der Prompt funktioniert so, wie er ist:

Zeige mir die 20 neuesten veröffentlichten Beiträge auf meiner WordPress-Website als Liste mit Titel, Veröffentlichungsdatum und ungefährer Länge.

Lies die Beiträge noch nicht im Detail und ändere nichts an meiner Website. Wenn du etwas nicht abrufen kannst oder etwas nicht klappt, sag es mir und schlag vor, wie wir es anders lösen.

Streich in der Liste alle Beiträge, die nicht von dir sind, und merk dir die Titel der übrigen. Die brauchst du gleich in Schritt 2.

Schritt 2: Lass ChatGPT deinen Schreibstil analysieren

Was ChatGPT in deinen Texten finden kann:

  • welche Satzlängen du bevorzugst und ob du sie abwechselst,
  • welche Wörter und Formulierungen bei dir immer wieder auftauchen,
  • wie du deine Leser ansprichst, per Du, per Sie oder gar nicht,
  • ob du eher sachlich, persönlich, humorvoll oder provokant schreibst,
  • wie du Gedanken und Argumente aufbaust: erst die These, dann der Beleg, oder umgekehrt,
  • welche sprachlichen Eigenheiten dich ausmachen.

Daraus entsteht ein Stilprofil, an dem sich ChatGPT beim nächsten Text orientieren kann. Ein Garant für authentische Texte ist das nicht. ChatGPT erkennt Muster, keine Persönlichkeit. Aber es arbeitet mit echtem Material statt mit einem Ratespiel, und der Unterschied zu „Schreib menschlicher“ ist groß.

Der Prompt nimmt standardmäßig deine fünf neuesten Beiträge. Das taugt nur, wenn du die selbst geschrieben hast. Sind darunter welche von ChatGPT, ersetze die letzten fünf veröffentlichten Beiträge durch die Titel, die du in Schritt 1 ausgesucht hast. Der Rest bleibt, wie er ist:

Lies die letzten fünf veröffentlichten Beiträge auf meiner WordPress-Website, jeweils den kompletten Text und nicht nur die Textauszüge.

Analysiere daran meinen Schreibstil: Satzlänge, Wortwahl, Tonfall, wiederkehrende Formulierungen, wie ich meine Leser anspreche und wie ich Gedanken und Argumente aufbaue. Achte auch auf Eigenheiten, die nicht den üblichen Regeln folgen.

Fasse das Ergebnis als Stilprofil zusammen, jeweils mit einem kurzen Beleg aus meinen Texten. Verändere nichts an meiner Website. Wenn du etwas nicht lesen kannst oder etwas nicht klappt, sag es mir und schlag vor, wie wir es anders lösen.

Lies das Profil kritisch. Erkennst du dich wieder? Wenn nicht, sag es ChatGPT im Chat und lass es nachbessern, bis es passt. Heb das fertige Profil auf, zum Beispiel in einem Beitragsentwurf. Dann kann ChatGPT in neuen Chats darauf zugreifen und du musst die Analyse nicht jedes Mal wiederholen. Die nächsten Prompts machen die Analyse übrigens gleich mit.

Schritt 3: Lass einen vorhandenen WordPress-Text umschreiben

Jetzt kommt der Teil, für den die meisten herkommen: Ein Text ist schon da, von dir geschrieben oder von ChatGPT, und soll nach dir klingen. Ersetze [Titel] durch den Titel des Beitrags, der überarbeitet werden soll. Er wird bei der Stilanalyse bewusst ausgenommen, sonst lernt ChatGPT seinen Stil aus dem Text, den es gerade verbessern soll. Dein Original bleibt unangetastet, die neue Fassung landet als eigener Entwurf:

Lies die letzten fünf veröffentlichten Beiträge auf meiner WordPress-Website komplett, den Beitrag [Titel] nicht mitgezählt, und analysiere meinen Schreibstil.

Lies danach den Beitrag [Titel] und schreibe ihn so um, dass er besser zu meiner Ausdrucksweise passt. Behalte meine sprachlichen Eigenheiten bewusst bei, auch wenn sie nicht immer grammatikalisch perfekt sind.

Ändere den Originalbeitrag nicht. Erstelle die umgeschriebene Fassung als neuen Entwurf und zeige mir im Chat die wichtigsten Änderungen. Wenn etwas nicht klappt, sag es mir und schlag vor, wie wir es anders lösen.

Steht der Text nicht in WordPress, sondern nur im Chat, ersetze Lies danach den Beitrag [Titel] durch „Nimm danach den folgenden Text“ und füge ihn unter den Prompt ein. Die Klammer mit dem Titel streichst du dann ebenfalls.

Schritt 4: Auf Wunsch einen neuen Beitrag in deinem Stil schreiben lassen

Das geht auch ohne Vorlage: ChatGPT schreibt einen komplett neuen Beitrag, nachdem es deinen Stil gelesen hat. Ersetze [Thema] durch das Thema des neuen Beitrags. Der Rest der Aufgabenstellung bleibt unverändert:

Lies die letzten fünf veröffentlichten Beiträge auf meiner WordPress-Website komplett und analysiere meinen Schreibstil.

Schreibe danach einen neuen Beitrag zum Thema [Thema]. Orientiere dich an meiner Ausdrucksweise und behalte meine typischen Eigenheiten bei, auch wenn sie nicht grammatikalisch perfekt sind. Glätte nichts, nur weil es ungewöhnlich klingt.

Speichere den Beitrag als Entwurf in WordPress und veröffentliche nichts. Wenn dir Informationen zum Thema fehlen, frag nach, statt etwas zu erfinden. Wenn etwas nicht klappt, sag es mir und schlag vor, wie wir es anders lösen.

Der Entwurf liegt danach in WordPress, bereit zum Lesen und Überarbeiten. Rechne nicht mit einem fertigen Text. Rechne mit einer ersten Fassung, die näher an dir dran ist als alles, was „Schreib menschlicher“ liefert.

Schritt 5: Prüf das Ergebnis, bevor etwas live geht

Perfekt ist nicht menschlich

Jetzt wird es unbequem. ChatGPT bessert gern nach. Ein Satz ohne Verb? Wird ergänzt. Ein Wort dreimal im Absatz? Bekommt Synonyme. Ein Schachtelsatz? Wird zerlegt. Jede dieser Korrekturen ist für sich genommen vertretbar. Zusammen löschen sie genau das, woran man dich erkennt.

Ein Ein-Wort-Satz. Ein Wort, das du in jedem Absatz benutzt, weil du es nun mal gut findest. Ein Satzbau, den jede Grammatikprüfung anstreicht. Das sind keine Fehler, das ist deine Handschrift. Ein Text, in dem sie fehlen, ist korrekter, aber nicht mehr deiner.

Das heißt nicht, dass du absichtlich Fehler einbauen sollst. Eingestreute Tippfehler sind Verkleidung, keine Stimme. Ein echter Tippfehler wird korrigiert, eine Eigenheit bleibt. Der Test: Würdest du das so sagen, wenn du es einem Bekannten erklärst? Dann lass es stehen, auch wenn ChatGPT es „stilistisch ungewöhnlich“ findet. Deshalb steht in den Prompts oben ausdrücklich, dass nichts geglättet werden soll. ChatGPT tut das erfahrungsgemäß von selbst, wenn man es nicht stoppt.

Du bleibst der Letzte, der draufschaut

Auch mit einem guten Stilprofil gehört ein umgeschriebener Text nicht ungelesen auf deine Website. Wessen Name über dem Beitrag steht, der trägt die Verantwortung dafür. Ein paar Dinge, die ich vor dem Veröffentlichen prüfe:

  • Laut lesen. Wo du stolperst, klingt es nicht nach dir.
  • Streichen. Sätze, die du nie sagen würdest, fliegen raus, auch wenn sie schön sind.
  • Fakten prüfen. Zahlen, Namen und Behauptungen. Fehlen ChatGPT Informationen, füllt es die Lücken manchmal mit Erfundenem.
  • Nein sagen. Lehn Verbesserungsvorschläge ab, die dich glätten. Auch wenn ChatGPT begründet, eine Formulierung sei „grammatikalisch nicht optimal“. Das ist eine Beschreibung, kein Urteil. Die letzte Instanz bist du.

Zurück zum Text, der nach nichts klang

Fang mit Schritt 2 an. Lies das Stilprofil und korrigiere, was nicht stimmt. Wenn du dich darin wiedererkennst, lohnt sich der Rest. Wenn nicht, hast du in fünf Minuten herausgefunden, dass deine Beiträge dafür noch zu wenig Eigenes hergeben, und das ist auch eine Erkenntnis.

Beim nächsten Text, der nach nichts klingt, musst du ChatGPT nicht mehr bitten, menschlicher zu sein. Du zeigst ihm einfach, wie du klingst. ChatGPT kann dir Schreibarbeit abnehmen: Rohfassung, Struktur, das leere Blatt. Die Stimme bleibt deine, die Verantwortung auch.

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