WordPress mit ChatGPT: von Schreibmaschine zum Webmaster
Sonntagabend, 21:40 Uhr. Du hast ChatGPT oder Claude gebeten, einen Beitrag zu schreiben. Er ist sogar gut geworden. Jetzt markierst du den Text, kopierst ihn, wechselst den Tab, fügst ihn in WordPress ein, korrigierst die Formatierung, die dabei kaputtgegangen ist, und suchst die Einstellung, die du eigentlich ändern wolltest. Du findest sie nach 20 Klicks nicht und gibst auf.
Das nennt man heute „mit KI arbeiten“. Hand aufs Herz: Es ist Büroarbeit mit einem grünen Praktikanten, der nicht weiß, wie man WordPress öffnet.
ChatGPT sieht alles außer deiner Website
Das eigentliche Problem ist nicht die KI. Seien wir mal ehrlich, KI schreibt ordentlich, mit richtigen Prompts sogar ziemlich interessant und aufschlussreich. Sauber und grammatikalisch perfekt. Sie plant, fasst zusammen und denkt mit. Es gibt aber ein Problem: eine Wand zwischen deinem KI-Chat und deiner Website, die „künstliche Intelligenz“ dumm erscheinen lässt.
Denn KI weiß nicht, was du im letzten März veröffentlicht hast. Sie hat überhaupt keine Ahnung, welche Seiten es auf deiner Website gibt. Sie weiß nicht, wie deine Beiträge klingen, welche Schwerpunkte du hast oder ob du gerade zum dritten Mal das Gleiche in Grün schreibst. Also fängt das freundliche KI-Ratespiel an. KI schreibt und du bügelst es hinterher wieder aus.
Mit Zeitersparnis hat das wenig zu tun.
Du bist der Durchschnitt aller Websites
ChatGPT, Claude, Mistral – das alles sind Sprachmodelle. Sie haben beim Training unvorstellbar viele Texte gelesen und daraus Muster gelernt: Welches Wort folgt auf welches, was passt wozu. Deshalb schreiben sie so überzeugend. Und auch deswegen schreiben sie einen Querschnitt aus allem, was sie je gesehen haben, nicht das, was du gerade bist. Für KI bist du die Mischung aus allem, was sie am häufigsten gesehen hat.

Alles, was deine Website, dich und dein Geschäft einzigartig macht, liegt hinter dem Personaleingang: Entwürfe, Ideen, Einstellungen, Newsletter-Listen, die Mail-Statistik, Marketingstrategien. Dort kommt nur rein, wer dazugehört. Genau eine Person: du.
Um der KI zu erzählen, was du bist oder was du machst, was dich einzigartig macht, füllst du während des Chats das Kontextfenster. So heißt das Wissen innerhalb eines Chatverlaufs: alles, was im Chat steht, deine Fragen, eingefügte Texte, bisherige Antworten, dein Schreibstil. Nur was dort liegt, kann die KI in diesem Moment verwenden. Und wow, manche Chats können zusätzlich eine Websuche starten und öffentliche Seiten nachschlagen. Auch deine. Hilft das? Bis zum nächsten Chat.
Und täglich grüßt das Murmeltier
Am nächsten Morgen startest du einen neuen Chat und es ist alles wieder futsch. Der emsige, fleißige Praktikant hat alles Gelernte vergessen und startet jeden Tag neu. Sein Gedächtnis ist frisch wie der Blick eines Neugeborenen. Alles wieder auf Null. Du bist wieder der Durchschnitt.
Also liest du, dass Prompts nur halbe Wahrheit sind, Kontext ist wichtiger. Aha! Und du fängst an, ellenlange Projektbeschreibungen, Tone-of-Voice-Papier und noch so einiges zu erstellen und es hochzuladen. Ein paar Tage geht das gut, dann ändert sich was in der Projektbeschreibung und es fängt an, in die falsche Richtung zu laufen. Du putzt hinterher, schreibst die Papiere neu, lädst hoch und so im Kreis. Irgendwann verbringst du mehr Zeit damit, Anleitungen für KI zu schreiben, als mit tatsächlicher Texterstellung.

Aber gut, man kann nicht alles haben. Spoiler: Kann man doch, aber das kommt gleich.
Wie du zu einer Copy-Paste-Maschine wirst
Sagen wir, dein ausführliches Wissen ist in einer Projektbeschreibung festgehalten. Und KI fängt an, wirklich nach dir zu klingen. Das ist ein Fortschritt, aber dann mutierst du so langsam zu einem Copy-Paste-Automaten. KI schreibt, du kopierst den Text in deine Seite. Sie korrigiert, du kopierst die Korrekturen. Sie ergänzt, du kopierst, sie fasst zusammen, du kopierst.

Du bist nicht mehr der Chef. Du bist der Hausmeister, der die Texte von rechts nach links trägt. Und wehe, du möchtest eine Auswertung deiner Zahlen, dann bekommst du eine Bestellliste, was KI so alles gerne hätte. Deine Besucherzahlen, deine Analyse aus der Suchmaschine, deine Klickzahlen. Immer wieder.
Wie du dem Chat den Personaleingang öffnest und wieder zum Chef wirst
Wenn ChatGPT, Claude, Mistral oder auch lokale KI mit deinem WordPress verbunden ist, dann löst sich alles. KI sieht nach und handelt. Tagesaktuell, ohne Nachfragen, ohne Raten. Sie liest, was auf deiner Website steht. Sie sieht, was andere nicht sehen: Entwürfe, Zahlen, Besucherstatistik. Und wenn du ihr erlaubst, erledigt sie auch deine Aufgaben selbstständig dort, wo du es ihr erlaubst.
Und dann passiert plötzlich Folgendes:
- Der Newsletter, der deine Beiträge kennt. Bevor der Chat einen Newsletter entwirft, liest er deine vorhandenen Beiträge. Der Entwurf klingt plötzlich nach dir und nicht nach einer Pressemitteilung aus dem Prospektständer.
- Zwölf Beiträge, eine Korrektur. Dieselbe Änderung in zwölf Beiträgen ist im Admin-Dashboard von WordPress ein Nachmittag voller Klicks. Im Chat ist es eine Aufgabe, die die KI in einem Durchgang elegant erledigt.
- Die Frage, die du dich nie zu stellen getraut hast. Hat deine Website eigentlich eine Sitemap? Was steht in deiner robots.txt und was bedeutet das? Die KI sieht nach, aber nicht nur. Sie erklärt den Fund in normalem Deutsch, ohne Fachchinesisch. Und sie sagt, was zu tun ist oder nicht.
- Die unbequeme Wahrheit über deine E-Mails. Wie viele E-Mails hat deine Website verschickt und wie viele sind nie angekommen? Du musst nicht mehr suchen, wo diese Zahlen versteckt sind. Die KI sucht, findet, analysiert, erzählt dir, was und warum genau schiefläuft. Und sie sagt dir, wie du es behebst.
Es ist ein ganz anderer Arbeitsablauf: erst nachsehen, dann handeln, dann dir das Ergebnis zeigen. Du hast keinen Praktikanten mehr, du hast dir gerade einen WordPress-Experten reingeholt, der so ganz nebenbei dein ganzes Geschäft kennt. Und er muss nicht immer wieder angelernt werden.
Du beschreibst in deinem Chat nur noch die Aufgabe in deinen Worten. Welcher Menüpunkt wo sitzt und wie die Einstellung heißt, ist nicht mehr dein Problem. Kann KI eine Aufgabe auf deiner Website nicht selbst erledigen, passiert etwas Nützliches: Sie erklärt dir genau den Klickweg in deinem Admin-Dashboard. Und sie muss nicht vorher fragen, welche Plugins du installiert hast, sie weiß es.
Die zweite Rechnung, die keiner bestellt hat
Irgendwo hat sich der Glaube festgesetzt, KI für WordPress bedeute zwangsläufig: noch ein Abo, ein Guthaben zum Nachladen von Credits, eine Rechnung, die davon abhängt, wie viel die KI gerade erledigt hat. Das gibt es tatsächlich und wenn du eine zweite Rechnung (zusätzlich zu deinem ChatGPT oder Claude) erwartest oder bereits zahlst, dann fährst du mit zwei Autos parallel.
WordPress-Konnektoren, die du vielleicht schon mal in deinen Einstellungen im WordPress gesehen hast, verlangen von dir einen API-Schlüssel. Und API ist nicht dein ChatGPT- oder Claude-Abo. Das ist extra drauf. Diverse KI-Plugins für WordPress rechnen auch noch mal separat ab. Es ist fast absurd, denn du zahlst neben deinem Abo ein zweites Mal für KI (oft die gleiche, die nur auf einem anderen Weg zu dir kommt).

Der einzige vernünftige Weg ist: Verbinde dein ChatGPT, Claude, Mistral oder was auch immer du bereits nutzt, mit deiner Website. Ohne Vermittlungsdienst dazwischen. Diese Technologie nennt man MCP. Das haben sich die Programmierer ausgedacht, die Normalsterblichen kriegen immer noch die KI-Credits vor die Nase gesetzt. Denn MCP kann direkt gehen oder über einen Zwischendienst. Den Zwischendienst bezahlst du logischerweise.
Im KI-Playbook zeige ich dir, wie du in etwa 10 bis 15 Minuten deinen Chat mit deiner Website verbindest. Ohne Code, ohne Programmierkenntnisse, ohne zusätzliche KI-Gebühren. Ah ja: Zum Ausprobieren brauchst du nicht einmal ein Abo, denn es gibt KI-Chats, die es dir sogar in kostenlosen Tarifen erlauben, deine Website aus dem Chat heraus zu steuern. Die aktuelle Auswahl findest du ebenfalls im KI-Playbook.
ChatGPT, Claude oder Dashboard? Warum nicht beides?
Die Verbindung wirft nichts weg. Sie verwandelt deine Website nicht in eine bunte KI-Schaltzentrale. Die Verbindung öffnet nur leise und still den Personaleingang für deine KI. Mehr nicht. Du musst dein Dashboard nicht wegwerfen. Die kleine Korrektur, bei der du schneller klickst als erklärst, machst du immer noch dort. Die große, nervige, wiederkehrende Aufgabe gibst du dem Chat. Du entscheidest bei jeder Aufgabe, wer sie erledigt und wie.
Das gilt auch für den KI-Anbieter selbst. Du entscheidest, ob ChatGPT, Claude oder Mistral, je nachdem, was du ohnehin benutzt. Mistral ist dabei eine europäische Option: Der Anbieter sitzt in Frankreich, und wer Kundendaten, Newsletter-Listen oder Mail-Statistiken durch die KI laufen lässt, hat damit eine Frage weniger zu klären, nämlich die nach der Datenübermittlung in ein Drittland. Gerade plane ich die Anleitung über einen lokalen Chat, der komplett auf deinem PC läuft, so dass deine Daten gar nicht um die Welt reisen müssen. Ziemlich spannend.
Kurz: Deine Website bleibt, wie sie ist. Kein Neuaufbau, kein Anbieterwechsel. Inhalte, Hosting und Plugins bleiben da, wo sie schon immer waren: in deinem eigenen WordPress. Die Verbindung zu KI kappst du mit einem Mausklick, wenn du willst, und verlierst dabei genau nichts. Außer vielen Nachmittagen voller Klicks.
Was geht denn alles damit, nur Texte oder mehr?
Ich könnte hier Hunderte von Aufgaben auflisten, von Inhalten bis zu Sicherheitseinstellungen, DSGVO-Schutz und komplexen Formulareinrichtungen. Ich spare es mir, denn alles, was heute geht, findest du unter WordPress-Prompts für KI. Das Verzeichnis wächst täglich, Newsletter-Update hilft da hinterher zu bleiben.
Zurück zum Sonntagabend, 21:40 Uhr
Der Beitrag ist wieder fertig. Diesmal markierst du nichts und kopierst nichts. Du schreibst in den Chat: „Leg ihn als Entwurf an“, trinkst deinen Tee aus und gehst ins Bett. Der Praktikant hat übrigens nicht gekündigt. Er hat nur die Erlaubnis zum Personaleingang bekommen.
Wie die Verbindung funktioniert, steht im KI-Playbook. Schritt für Schritt, in 10-15 Minuten fertig.
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Das Playbook führt dich Schritt für Schritt durch die Einrichtung, für ChatGPT, Claude und Mistral. Dazu fertige Prompts und die Plugins, die mitspielen.
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