WordPress-KI-Plugin: Denn du weißt nicht, was du suchst
Im Anfang war WordPress. Und WordPress enthielt Texte, die Menschen in alten Zeiten tatsächlich noch aus dem Kopf heraus und ohne Hilfe von KI geschrieben haben. Und dann kam KI. Und die Menschen sahen, dass es schneller geht, und sagten: „Es werde Inhalt.“ Und es ward ein KI-Text.
Eine kleine Schöpfungsgeschichte der WordPress-KI.
Drei Dinge heißen heute WordPress-KI-Plugin
Und nur eines davon macht, was du vermutlich suchst.
- Das Plugin mit den Schreib-Buttons. Du klickst im Editor auf „Umschreiben“, das Plugin schickt deinen Text an einen KI-Anbieter und zeigt dir die Antwort. Abgerechnet wird meist über Tokens oder Credits.
- Der Konnektor. Das Plugin erstellt in WordPress den Zugang zu einem KI-Anbieter (OpenAI, Google und Anthropic sind von Haus aus in WordPress vorhanden). Weitere benutzerdefinierte Konnektoren verbinden WordPress mit Mistral, OpenRouter, DeepSeek usw. Der Konnektor selbst schreibt und erstellt nichts, er ist nur die Steckdose.
- Das MCP-Plugin. Dein KI-Chat (ChatGPT, Claude, Mistral usw.) fragt WordPress und arbeitet auf deiner Website. Wer seine Website mit dem KI-Chat bedienen will, sucht genau dieses (aber ohne Zwischenhändler).
Wie es zu diesem Durcheinander kam, erzählt die folgende Geschichte.
Phase 1: KI-Plugins ziehen ein
Und die KI-Plugins zogen in WordPress ein, und sie brachten Buttons mit. Viele Buttons. Neben dem Titel, unter dem Absatz, mitten im Editor. Wo gestern noch ein Mensch denken musste, konnte er dann einfach auf „Mit KI erstellen“ oder „Weiterschreiben“ oder „Umschreiben“ klicken. Und der Mensch sah, dass es bequem war. Er ließ Überschriften entstehen, Absätze verlängern und Texte zusammenfassen. Aber wie ist diese Magie technisch möglich?
Tatsächlich schickt ein KI-Plugin wie GetGenie die Wünsche des Benutzers an einen KI-Anbieter wie OpenAI, Google oder Anthropic. Das Plugin packt einen eigenen Prompt dazu. Dort wird die Antwort erzeugt, und das Plugin gibt sie dir an Ort und Stelle zurück. Was dabei etwas unangenehm ist: KI-Plugins rechnen mit Tokens ab. Oder Credits. Oder Guthaben.

Ein Token ist ein Textbaustein, mit dem Sprachmodelle arbeiten. Kein Wort, keine Zeile, keine brauchbare Einheit für die Frage: „Was kostet es, meine Über-mich-Seite umzuschreiben?“ Credits können wiederum eine eigene Recheneinheit des Plugin-Anbieters sein. So entstand eine neue KI-Währung. Der Mensch fragte sich: „Wie viele davon brauche ich?“ Und die Antwort hing vom Modell, von der Textmenge, von der Qualität und von dem ab, was im Hintergrund alles mitgeschickt wurde.
Auch das Plugin konnte den endgültigen Verbrauch oft nicht vorhersagen. Also gab es die Kosten einfach weiter, gern mit eigenem Aufschlag. Der Button war bequem, die Rechnung nicht. Aber man nimmt, was man kriegen kann.
Phase 2: WordPress-Konnektoren werden geboren
Und WordPress sprach: „Es werde Ordnung unter den Verbindungen.“ Und es kamen die Konnektoren. Mit WordPress 7.0 wurde die Connectors API eingeführt: ein gemeinsamer Ort unter „Einstellungen → Konnektoren“, an dem du die Zugänge zu externen KI-Diensten verwaltest. Drei Konnektoren sind von Haus aus an Bord: Anthropic, Google und OpenAI. Man braucht damit (zumindest theoretisch) keine KI-Plugins mehr als Vermittler. Der Website-Betreiber kann sich direkt mit KI-Anbietern verbinden. Dazu braucht er „nur“ einen API-Schlüssel. Die Tokens sind dabei immer noch die Währung.

Praktisch wird diese Schnittstelle bisher kaum genutzt. Die meisten Plugins, die darauf setzen, haben weniger als zehn aktive Installationen. Die Ausnahme ist das eigene AI-Plugin von WordPress mit über 50.000 aktiven Installationen. Also der Ruf: „Der Zwischenhändler ist fort!“ war verfrüht. Denn wenn Zwischenhändler nichts verdienen, dann entwickeln sie auch nichts.
Und was viele noch nicht verstehen: OpenAI ist nicht ChatGPT und Anthropic ist nicht Claude. Chat-Abonnement und API-Nutzung werden getrennt behandelt. Der Website-Betreiber braucht also weiterhin zwei Zugänge zum selben KI-Haus. Und darf zwei Mal an der Kasse vorbeigehen.
Phase 3: MCP offenbarte sich, und keiner verstand, was es ist
Und es erschien eine Abkürzung am Firmament: MCP. Model Context Protocol. Und die Entwickler sahen, dass es gut war. Und die übrigen Menschen sahen drei Buchstaben und gingen erst einmal Kaffee holen.

Dabei war die Idee ausgesprochen nützlich: Ein KI-Chat (ChatGPT, Claude, Mistral und Co.) kann sich über einen gemeinsamen Standard mit anderen Systemen verbinden. Diese stellen ihm Werkzeuge bereit. Zum Beispiel, um Inhalte in WordPress zu lesen oder umfangreiche Änderungen auszuführen.
Du bleibst also in deinem KI-Chat. Dort sagst du, was du möchtest. Über die Verbindung kann dein KI-Chat auf deiner Website nachsehen und mit den freigegebenen Werkzeugen arbeiten. Das ist übrigens die umgekehrte Richtung als beim Schreibbutton im WordPress-Editor: Dort fragt WordPress die KI. Hier fragt der KI-Chat WordPress.
Und der Mensch sprach: „Dann könnte doch der Chat, den ich bereits benutze, endlich auch meine Website bedienen?“ Und siehe: Das war eine vernünftige Frage. Man hatte sie nur unter einer Abkürzung begraben.
Fußnote: MCP wurde bereits im November 2024 vorgestellt. Es entstand also nicht erst nach den WordPress-Konnektoren. Aber dies ist eine Schöpfungsgeschichte und kein Release-Kalender.
Phase 4: Die Zwischenhändler kehren zurück
Die Plugin-Entwickler dachten: „Schwer zu verstehen für den ottonormalen Website-Betreiber, aber verdammt nützlich.“ Und sie lagen richtig. So bauten sie MCP-Plugins, die über Umwege und eigene Schichten gingen. Sie verlangten ein eigenes Konto, einen eigenen Tarif oder einen eigenen Zähler für Anfragen. Und siehe da, die Credits und Verbrauchskosten waren auferstanden.

Das ist technisch kein Widerspruch. MCP beschreibt, wie Systeme miteinander sprechen. Es schreibt niemandem vor, dafür kein Geld zu verlangen. Ein Dienst kann diesen Standard verwenden und trotzdem eine zusätzliche Rechnung ausstellen. Das Kürzel auf der Verpackung verrät nicht, wer KI-Anfragen bezahlt, wer die Verbindung herstellt und ob beim nächsten Prompt ein zusätzlicher Zähler losläuft.
Und der Mensch lernte: Auch drei heilige Buchstaben schützen nicht vor einem Preismodell.
Phase 5: MCP/Abilities-Chaos – alle machen mit
Und dann erkannten andere Plugin-Entwickler: Hey, wir können MCP nutzen und in unsere Plugins die Abilities (Fähigkeiten) direkt einbauen. Was dabei entstand: Alle fingen an, ihre eigenen MCPs zu bauen. Und sie alle versuchten, gleichzeitig auf eine Website einzureden.

Technisches Babylon, alles gerät durcheinander, denn die arme Website weiß nicht, auf wen sie hören sollte. Und die ganzen neuen Begriffe machten es nicht einfacher. Schalter für An/Aus verstecken sich meist unter „Erweitert“ oder „Fortgeschritten“ und unterscheiden mittlerweile auch MCP und Abilities (was auch immer der Unterschied sein sollte).
Dazwischen sitzt immer noch der Website-Betreiber, der einfach seine Seite aus dem KI-Chat heraus bearbeiten möchte. Stattdessen versucht er, die Verbindungen auseinanderzuhalten und die Konflikte zu lösen.
Phase 6: Einfache Lösung ohne Marketing-Tamtam
Und es gab auch Lösungen, die den eigenen Chat mit WordPress verbanden, ohne für diese Verbindung eine weitere Verbrauchskasse aufzustellen. Doch sie erschienen nicht zwingend als leuchtende Werbeanzeige. Manchmal erschienen sie als README. Und das README sprach von Endpoints, Transports und Authentication.

Ein kostenloses Werkzeug bringt eben kein Marketingbudget als Naturgesetz mit. Und wer eine Verbindung programmieren kann, hat damit noch nicht automatisch eine verständliche Anleitung für jemanden geschrieben, der das Wort „Endpoint“ zum ersten Mal sieht.
WordPress mit MCP zu verbinden, ist genau die Lösung. Aber nicht jedes MCP-Plugin liefert den Weg, den du suchst.
Entscheidend ist: Kann dein ChatGPT oder Claude ohne Umwege und weitere Kosten auf deiner WordPress-Seite arbeiten? Welche Aufgaben löst das Plugin (welche Fähigkeiten hat es)? Kann man bestimmen, was KI darf oder nicht? Kann man sehen, was so alles durch KI geändert wurde? Kann man einen europäischen KI-Anbieter wie Mistral nutzen?
Genau für den Schritt von „welches WordPress-KI-Plugin“ zu „ich kann es in 10–15 Minuten einrichten und loslegen“ ist mein KI-Playbook für WordPress geschrieben: ein geführter Einstieg von der korrekten WordPress-Einrichtung bis zur Verbindung mit deinem KI-Chat und den ersten konkreten Aufgaben.
Damit auf „Es werde Inhalt“ irgendwann auch Inhalt folgt. Und auch deutlich mehr.
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