ChatGPT kann nicht menschlich schreiben. Du schon.
ChatGPT liefert dir einen Text, der grammatikalisch sauber ist, logisch aufgebaut und trotzdem klingt, als hätte ihn niemand geschrieben. Nach zwei Absätzen merkst du: Das bin nicht ich. Das ist nicht mal irgendein Mensch. Das ist ein Text, der nach nichts klingt, weil er nach allem ein bisschen klingen soll.
Also tippst du: „Schreib menschlicher.“ Das Ergebnis ist ein Text, der jetzt zusätzlich „Mal ehrlich“ sagt und rhetorische Fragen stellt. Menschlicher geworden ist er nicht, nur verkleidet.
Fakt ist: ChatGPT kann nicht menschlich schreiben, weil ChatGPT kein Mensch ist. Das muss es auch nicht. Es muss lernen, wie du schreibst. Und das Material dafür liegt längst bei dir, in den Beiträgen auf deiner WordPress-Website.
In diesem Artikel geht es darum, warum pauschale Stilanweisungen ins Leere laufen, wie ChatGPT deinen Stil aus deinen eigenen Beiträgen herausliest und welche drei Prompts du dafür kopieren kannst. Und darum, warum du am Ende trotzdem selbst entscheiden musst, was stehen bleibt. Einen Weg, KI-Erkennungstools auszutricksen, findest du hier nicht. Es geht darum, dass ein Text nach dir klingt.
Warum „Schreib menschlicher“ nicht funktioniert
ChatGPT ist ein Sprachmodell. Das ist ein Programm, das aus riesigen Textmengen gelernt hat, welches Wort mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das nächste folgt. Wahrscheinlich heißt: üblich. Und üblich heißt: glatt, durchschnittlich, austauschbar. Das ist keine Macke, die man mit dem nächsten Update repariert, sondern das Funktionsprinzip.
„Menschlich“ ist außerdem keine Stilrichtung. Ein Handwerker schreibt anders als eine Anwältin, und beide sind Menschen. Wenn du „menschlicher“ verlangst, muss ChatGPT raten, welchen Menschen du meinst. Es rät den häufigsten: lockerer Plauderton mit ein paar Floskeln obendrauf.
Die üblichen Prompt-Tricks laufen in dieselbe Sackgasse. ChatGPT eine Rolle zuweisen, kürzere Sätze verlangen, den Stil eines berühmten Autors nachahmen lassen: Alles beschreibt entweder einen Durchschnitt oder jemand anderen. Und selbst wenn du deinen eigenen Stil beschreiben wolltest, wüsstest du aus dem Stand, wie lang deine Sätze im Schnitt sind? Welche Wörter du ständig benutzt? Wie du deine Leser ansprichst? Die meisten wissen das über ihre eigenen Texte nicht. Den eigenen Stil bemerkt man nicht, man hat ihn einfach.
ChatGPT-Texte menschlich gestalten: Es muss dich kennenlernen
Der Perspektivwechsel ist klein, aber er ändert alles. Statt ChatGPT zu sagen, wie ein Mensch schreibt, zeigst du ihm, wie du schreibst. Dafür braucht es Beispiele, und zwar echte.
Ohne Verbindung zu WordPress bekommt ChatGPT nur ein Thema, einen Prompt und vielleicht einen Text, den du eingefügt hast. Beiträge von Hand in den Chat zu kopieren geht natürlich. Du machst es einmal, bei zwei Beiträgen, und dann hast du keine Lust mehr. Und was sonst noch bei dir erschienen ist, bleibt ChatGPT verborgen.
Wenn ChatGPT direkt mit deinem WordPress verbunden ist, sieht das anders aus. Dann kann ChatGPT deine Beiträge und Seiten selbst lesen, ohne dass du etwas kopierst.
Was ChatGPT in deinen Texten finden kann:
- welche Satzlängen du bevorzugst und ob du sie abwechselst,
- welche Wörter und Formulierungen bei dir immer wieder auftauchen,
- wie du deine Leser ansprichst, per Du, per Sie oder gar nicht,
- ob du eher sachlich, persönlich, humorvoll oder provokant schreibst,
- wie du Gedanken und Argumente aufbaust: erst die These, dann der Beleg, oder umgekehrt,
- welche sprachlichen Eigenheiten dich ausmachen.
Daraus entsteht ein Stilprofil, an dem sich ChatGPT beim nächsten Text orientieren kann. Ein Garant für authentische Texte ist das nicht. ChatGPT erkennt Muster, keine Persönlichkeit. Aber es arbeitet mit echtem Material statt mit einem Ratespiel, und der Unterschied zu „Schreib menschlicher“ ist groß.
Drei Prompts zum Kopieren
Voraussetzung ist eine Verbindung direkt zu deiner Website aus ChatGPT. Wie die entsteht, steht im KI-Playbook für WordPress. Die drei Prompts hier lesen nur Beiträge oder speichern höchstens einen Entwurf. Veröffentlicht wird nichts.
Prompt 1: Deinen Schreibstil analysieren
Zuerst lässt du ChatGPT lesen. Der Prompt nimmt deine fünf neuesten Beiträge. Das taugt nur, wenn du die selbst geschrieben hast. Stammen sie von ChatGPT, lernt es seinen eigenen Stil kennen, und den hast du ja gerade satt. Nenne in dem Fall stattdessen Titel von Beiträgen, die wirklich von dir sind: Ersetze die letzten fünf veröffentlichten Beiträge durch diese Titel. Der Rest bleibt, wie er ist:
Lies die letzten fünf veröffentlichten Beiträge auf meiner WordPress-Website, jeweils den kompletten Text und nicht nur die Textauszüge. Analysiere daran meinen Schreibstil: Satzlänge, Wortwahl, Tonfall, wiederkehrende Formulierungen, wie ich meine Leser anspreche und wie ich Gedanken und Argumente aufbaue. Achte auch auf Eigenheiten, die nicht den üblichen Regeln folgen. Fasse das Ergebnis als Stilprofil zusammen, jeweils mit einem kurzen Beleg aus meinen Texten. Verändere nichts an meiner Website. Wenn du etwas nicht lesen kannst oder etwas nicht klappt, sag es mir und schlag vor, wie wir es anders lösen.
Lies das Profil kritisch. Erkennst du dich wieder? Wenn nicht, sag es ChatGPT im Chat und lass es nachbessern, bis es passt. Heb das fertige Profil auf, zum Beispiel in einem Beitragsentwurf. Dann kann ChatGPT in neuen Chats darauf zugreifen und du musst die Analyse nicht jedes Mal wiederholen.
Die nächsten Prompts machen die Analyse und schreiben gleichzeitig.
Prompt 2: Einen neuen Beitrag in deinem Stil schreiben
Jetzt lässt du ChatGPT schreiben. Ersetze [Thema] durch das Thema des neuen Beitrags. Der Rest der Aufgabenstellung bleibt unverändert:
Lies die letzten fünf veröffentlichten Beiträge auf meiner WordPress-Website komplett und analysiere meinen Schreibstil. Schreibe danach einen neuen Beitrag zum Thema [Thema]. Orientiere dich an meiner Ausdrucksweise und behalte meine typischen Eigenheiten bei, auch wenn sie nicht grammatikalisch perfekt sind. Glätte nichts, nur weil es ungewöhnlich klingt. Speichere den Beitrag als Entwurf in WordPress und veröffentliche nichts. Wenn dir Informationen zum Thema fehlen, frag nach, statt etwas zu erfinden. Wenn etwas nicht klappt, sag es mir und schlag vor, wie wir es anders lösen.
Der Entwurf liegt danach in WordPress, bereit zum Lesen und Überarbeiten. Rechne nicht mit einem fertigen Text. Rechne mit einer ersten Fassung, die näher an dir dran ist als alles, was „Schreib menschlicher“ liefert.
Prompt 3: Einen vorhandenen Text umschreiben lassen
Der dritte Prompt ist für Texte, die schon existieren, von dir geschrieben oder von ChatGPT. Ersetze [Titel] durch den Titel des Beitrags, der überarbeitet werden soll. Er wird bei der Stilanalyse bewusst ausgenommen, sonst lernt ChatGPT seinen Stil aus dem Text, den es gerade verbessern soll. Dein Original bleibt unangetastet, die neue Fassung landet als eigener Entwurf:
Lies die letzten fünf veröffentlichten Beiträge auf meiner WordPress-Website komplett, den Beitrag [Titel] nicht mitgezählt, und analysiere meinen Schreibstil. Lies danach den Beitrag [Titel] und schreibe ihn so um, dass er besser zu meiner Ausdrucksweise passt. Behalte meine sprachlichen Eigenheiten bewusst bei, auch wenn sie nicht immer grammatikalisch perfekt sind. Ändere den Originalbeitrag nicht. Erstelle die umgeschriebene Fassung als neuen Entwurf und zeige mir im Chat die wichtigsten Änderungen. Wenn etwas nicht klappt, sag es mir und schlag vor, wie wir es anders lösen.
Steht der Text nicht in WordPress, sondern nur im Chat, ersetze Lies danach den Beitrag [Titel] durch „Nimm danach den folgenden Text“ und füge ihn unter den Prompt ein. Die Klammer mit dem Titel streichst du dann ebenfalls.
Perfekt ist nicht menschlich
Jetzt wird es unbequem. ChatGPT bessert gern nach. Ein Satz ohne Verb? Wird ergänzt. Ein Wort dreimal im Absatz? Bekommt Synonyme. Ein Schachtelsatz? Wird zerlegt. Jede dieser Korrekturen ist für sich genommen vertretbar. Zusammen löschen sie genau das, woran man dich erkennt.
Ein Ein-Wort-Satz. Ein Wort, das du in jedem Absatz benutzt, weil du es nun mal gut findest. Ein Satzbau, den jede Grammatikprüfung anstreicht. Das sind keine Fehler, das ist deine Handschrift. Ein Text, in dem sie fehlen, ist korrekter, aber nicht mehr deiner.
Das heißt nicht, dass du absichtlich Fehler einbauen sollst. Eingestreute Tippfehler sind Verkleidung, keine Stimme. Ein echter Tippfehler wird korrigiert, eine Eigenheit bleibt. Der Test: Würdest du das so sagen, wenn du es einem Bekannten erklärst? Dann lass es stehen, auch wenn ChatGPT es „stilistisch ungewöhnlich“ findet.
Deshalb steht in den Prompts oben ausdrücklich, dass nichts geglättet werden soll. ChatGPT tut das erfahrungsgemäß von selbst, wenn man es nicht stoppt.
Du bleibst der Letzte, der draufschaut
Auch mit einem guten Stilprofil gehört ein generierter Text nicht ungelesen auf deine Website. Wessen Name über dem Beitrag steht, der trägt die Verantwortung dafür. Ein paar Dinge, die ich vor dem Veröffentlichen prüfe:
- Laut lesen. Wo du stolperst, klingt es nicht nach dir.
- Streichen. Sätze, die du nie sagen würdest, fliegen raus, auch wenn sie schön sind.
- Fakten prüfen. Zahlen, Namen und Behauptungen. Fehlen ChatGPT Informationen, füllt es die Lücken manchmal mit Erfundenem.
- Nein sagen. Lehn Verbesserungsvorschläge ab, die dich glätten. Auch wenn ChatGPT begründet, eine Formulierung sei „grammatikalisch nicht optimal“. Das ist eine Beschreibung, kein Urteil. Die letzte Instanz bist du.
ChatGPT kann dir Schreibarbeit abnehmen: Rohfassung, Struktur, das leere Blatt. Die Stimme bleibt deine, die Verantwortung auch.
Womit du anfängst
Nimm Prompt 1. Lies das Stilprofil und korrigiere, was nicht stimmt. Wenn du dich darin wiedererkennst, lohnt sich Prompt 2 oder 3. Wenn nicht, hast du in fünf Minuten herausgefunden, dass deine Beiträge dafür noch zu wenig Eigenes hergeben, und das ist auch eine Erkenntnis.
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